Text samples

Here are the lecture notes (in German) I prepared for the lecture and workshop in Creative Writing I did for the mibeg-Institut Medien.

Next up: a few of the texts I wrote for different occasions (in German). Be warned: sanity and political correctness might be hard to find!

Glosse

Need we noch Deutsch? Die Globalisierung schreitet voran, der Sprachsalat weicht immer weiter auf. In den Gourmetküchen wird eifrig mit ranzigem Kaviar garniert. Nicht mit Alexander Rotter!

F#*~ Anglizismen. I need Deutsch!

von Alexander Rotter

I möchte mich today für das Erhalt von the Deutschsprach agitaten. It is in the general Bevölkerung a strong zunehmende Equalgültigkeit towards die Aufrechterhalting of the germanische Speechhoheit hard zu stellen. Völker aller Countries, verstandiged Euch – auf Deutsch!

In Zeiten der immer weiter zunehmenden Globalisierung müssen wir um jeden Preis unsere Sprache bewahren. Und gleichzeitig Exportweltmeister bleiben. Am besten wäre es natürlich, wir könnten der Welt mit unseren BMWs und Mercedeses auch noch unser höchstes Reichsgut, die prrrächtige deitsche Sprrrrache aufdrücken. Fleißig mokieren sich die Sprachfaschos über den feindlichen Einfluss auf ihr höchstes Gut – und loben dabei den köstlichen Keks, den sie zum Teechen mümmeln. Keks stammt von cakes und den Tee verdanken wir den Schlitzaugen.

Weg das Geröll aus den verstaubten Birnen

Pocht darauf, dass Sprache lokal verständlich bleiben sollte, aber hört mir mit Eurem f#*~ing undurchdachten Idealismus auf! Holt Euch einen runter, zieht Koks, lest im Handstand Kant und macht nen Volkssport draus oder schwimmt ne Runde in McMoneysack-Manier durch den Goldpool. Ach Halt, Ihr habt ja gar nich genug Kohle dafür. Anstatt irgend en Ausbeuter-Unternehmen zu gründen oder millionenschwere Vakuumskompositionen mit heißen Rap-Taglines an hyperaktive, rein vegetativ operierende Kiddies verschachern zu lassen – ja, statt dessen faselt Ihr den lieben langen Tag für den Erhalt eines Kulturgutes, das es distinkt in der Form gar nicht gibt, gar nie gegeben hat. Deswegen werdet Ihr auch nicht von unzähligen herzallerliebsten Menschen bewundert und mit alltäglicher medialer Berichterstattung zelebriert, sondern müsst unter Euch bleiben. Welch Schmach! Jungs und Mädels, wo soll das denn alles hinführen?

Enjoy the ride with carbicide

Die Zeiten, in denen man noch vor einer signifikanten Peergroup ernsthaftig und hochphilosophisch pseudobedeutungsschwanger über ein monetenmäßig relevanzmageres Thema referieren konnte, sind vorbei. Derartiges Entertainment ist nowadays viel zu umständlich zu produzieren. Mit der grundsoliden Basis der alles Mögliche zertifizierenden Krebsgeschwüre braucht man diese Unterhaltungsscholastik einfach nicht mehr. Das Internet und die Medien, die gerade von ihm gefressen werden, ballern mit Maschinengewehrfeuer spaßigen Content raus. Deswegen: Nehmt Euch n Beispiel an mir und haut Euch Zucker oder andere groovige Kohlenhydrate in den Rachen, denn so lässt sich die Fahrt in den Abgrund der globalen Nivellierung verdammt gut genießen. Habt wenigstens Spaß an dem Kram, den Ihr macht – im Himmelhöllennirvana gibt’s keine Zertifikate für die Verfechter der einzig wahren Sprache.

And thus ich entlasse y’all into den Kosmos and hope, with meiner indefiniten  Wisehite Euer Life gepimpt to haben. In nomine Dad und Sohnemann, et Spiritus Heiligdude. Ey Man!

Kommentar

Raus aus der Steinzeit

von Alexander Rotter

„Keine Frauenquote – die emanzipierte Frau von heute möchte sich ihren Erfolg selbst erkämpfen!“ Wann hört dieser Unsinn endlich auf? Können Frauen sich in einer Gesellschaft, die schon seit Tausenden von Jahren männerdominiert ist, einfach mal so freikämpfen? Hat sich vor der Einmischung der Staatspolitik etwas Großes getan? Hätten Frauen sich z. B. das Wahlrecht einfach mal so ergreifen können? Ein historischer Rückblick gibt eindeutig Antwort: Nein!

Lähmende Muster brechen

Hier muss traktiert werden, es bedarf einfach einer Korrektur der vorzeitlichen patriarchalischen Linien. Hier geht es nicht um Rache, die bringt eine Gesellschaft nämlich nicht weiter. Gefragt ist die Homogenisierung der Berufswelt. Sicherlich gibt es mittlerweile mehr Abiturientinnen als Abiturienten, Studentinnen als Studenten, an der Universität Bonn in 2009/10 60 % Absolventinnen mit erstem akademischen Grad. In den Machtzentren herrscht nach wie vor mit eiserner Faust der Mann vor. Mittleres Management 85 %. Vorstandsebene 97 %. Aufsichtsräte 90 % (BMFSFJ). Wie können Frauen hier das Yin zum Yang einbringen, für frischen Wind sorgen? Mit der Febreze-Flasche auf dem Executive-Klo? Zweifelhaft. Wir brauchen auch hier einen gesunden Anteil Frauen. Wir reden ja nicht von den knapp 80 % wie in der Gebäudereinigung.

Die Welt hat sich u. a. durch die Pille, Automation und die wandelnden Anforderungen an den Einzelnen so radikal verändert. Sollen wir nun weiter machen wie eh und je, in der Hoffnung, es würde alles wieder ins Mittelalter zurückführen? Wir brauchen Impulse und sogar ich als Mann fühle mich mit einer weiblichen Vorgesetzten per se keiner Zacke aus meiner Krone beraubt. Fähig und für ihre Position geeignet muss sie sein, was angesichts des bereits erwähnten Vorsprungs an den Universitäten ja gut machbar ist. Es gibt sie zuhauf, in allen Bereichen, wie das fortschrittliche Norwegen zeigt. Seit 2003 müssen dort in börsennotierten Unternehmen 40 % der Aufsichtsräte Frauen sein.  Heute sind es gar mehr.

Auf zu neuen Ufern

Wir müssen jetzt handeln und diesen Fortschritt für die ganze Welt ermöglichen, denn immer noch gibt es zahlreiche Länder, in denen Frauen so gut wie keine Rechte haben. Wir müssen jetzt den Weg ebnen und mit sinnvollen Mindestquoten in allen Bereichen der Wirtschaft und Politik eine ganzheitlich erblühende Zukunft bekräftigen!

Porträt

Die Porno Avantgarde

von Alexander Rotter

Er ist umstritten. Heißgeliebt, abgrundtief verhasst – als Durchschnitt geht der Regisseur Lars von Trier nicht durch. Von seinem neuen Skandalfilm „Nymphomaniac“ soll es zwei Versionen geben. Eine mit Hardcore Szenen, eine cleane Fassung fürs Kino. Diese kommt Ende Mai in die Heimat des 56-jährigen Dänen – wir müssen bis November warten. Der Titel ist natürlich Programm, die Besetzung klingt kurios für Unvertraute. Willem Dafoe, Christian Slater, Uma Thurman in einem Porno? Nein nein, so einfach ist es mit Von Trier nicht.

Zwar hat seine Produktionsfirma Zentropa tatsächlich als weltweit erster Mainstream-Filmverlag Hardcore Pornos auf den Markt gebracht. Diese speziell auf Frauenbedürfnisse ausgelegten Stimmungsanreger waren aber doch eher ein Ausflug für den Independent Platzhirsch. Seine letzten Kinostreifen waren düstere, für viele schwer verdauliche Visionen rund um die menschliche Psyche. Antichrist (2009) handelt von den seelischen Abgründen einer von Frauenhass geplagten Vierzigerin (Charlotte Gainsbourgh, die auch in „Nymphomaniac“ wieder die Protagonistin spielt). Melancholia (2011) zeigt Kirsten Dunst als Depressive, Weltferne, die isoliert und abgeklärt durch den Weltuntergang schlittert.

Zahllose Nominierungen und Auszeichnungen (darunter auch Nominierungen für den Oscar und Golden Globe) zeugen von der cineastischen Relevanz des Dänen. Für Antichrist wird ihm gar ein Antipreis verliehen. Eine ökumenische Jury, die in Cannes jährlich spirituell wertvolle Filme prämiert, tönt: ‚der frauenfeindlichste Film aller Zeiten des selbsternannten größten Regisseurs der Welt‘.

Zynismus für Fortgeschrittene

Humor braucht, wer diesen Mann und seine Werke nicht als menschenverachtend verstehen will. Von Trier ist von Kindheit auf mit Depressionen und Angstzuständen geplagt. „Basically, I’m afraid of everything in life, except filmmaking.” Antichrist wird nach einer Phase depressiver Lähmung fertig gestellt. Ein Skandal reiht sich an den nächsten. Auf einer Pressekonferenz zum Filmrelease von Melancholia in Cannes erklärt sich Von Trier als Nazi und Hitler-Versteher. Anfangs entgleist, führt er seine Witzelei Satz für Satz weiter, als befände er sich im eigenen Wohnzimmer.  Hierfür wird er vom Festival verbannt.

Ist dieser illustre Vogel nur auf Publicity aus? Will er um jeden Preis provozieren? Oder ist er lediglich Mensch und sich der Tragweite öffentlicher Aussagen nicht bewusst? Diese Antwort wird „Nymphomaniac“ vermutlich schuldig bleiben, aber Skandal, Empörung und Begeisterung sind uns sicher.

Aphoristisches

Am Ende war es gut

von Alexander Rotter

Zunächst sammeln wir Buchstaben – Formen, die wir nicht verstehen, aber überall wiedererkennen. Neugierig erkundend genießen wir die grenzenlose Freiheit des Analphabeten. Dann nimmt man uns an die Hand, mit der ersten Milch kommt das erste Wort. Wieder und wieder ertönt es, verheißt die Rettung vorm Schmerz, ist aber doch nur Form. Bald dämmert’s – kaum ist die schemenhafte Gefühlsfinsternis überwunden, bricht das Unheil über uns herein. Die ersten kleinen Teufel formatieren uns, durchpflügen den Gehörtrakt bis ins Gehirn und sie werden nicht Gemüse noch Obst pflanzen. Ihr Saatgut ist Ödnis – ist der Acker endlich schwanger, sind wir bald selbst die versklavten Bauern. Geerntet wird die Ähre, gemahlen dann zu Mehl. Gepanscht wird jetzt nach Lust und Laune, für das hehre Ziel. Es ist schon so weit, dass der Geruch der untertänigen willenlosen Masse uns nährt – übertrumpft nur von dem raffinierten Ergebnis, das uns nach meisterlicher Malträtierung des jämmerlichen Breis erwartet. Am Ende steht warm und wohlduftend das Brot auf der Opfertafel und wartet freudig gleichgültig darauf, uns endlich von innen zerfressen zu können. Haben wir uns erst in die Sphären der prunkvoll garnierten Torten gekämpft, unterwegs die ausgemergelten Körper der Wilden mit gewitzt zusammengeklauten Sohlen zertrampelnd und ihren Saft als Geliermittel nutzend, wartet das heilige Buch der Konditorkunst. Auf dem ledrigen Einband trägt es chimärenhaft alle Titel in transparentem Blut und sämtliche Götzen blicken uns aus einer überaus sympathisch anmaßenden Fratze entgegen. Dann endlich, unsere mitgläubigen Atheisten zur globalen Messe zusammen gekratzt, der Tod nur noch ein ferner, wehleidig blinkender Stern am Firmament. Denn wir sind nun ungeworden.